Einführung in das geistliche Leben

Einübung in die Geistlichen Übungen (Exerzitien) im Alltag


Meditationsrad

 

Übungen

 

Was ist der Sinn von Übung, Einübung?

 

  • Es geht ganz allgemein um eine Intensivzeit, in der ich bestimmte Dinge übe, - einübe: solche Intensivzeiten gibt es beim Zivilschutz, bei der Feuerwehr, beim Militär, beim Sport usw. Dabei sollen mir bestimmte Verhaltensweisen, Reaktionen, Handgriffe sozusagen in Fleisch und Blut übergehen, damit ich sie dann im Ernstfall leicht, wie selbstverständlich, ausüben kann.

 

  • Es ist eine Intensivzeit des Übens, des Ein?übens, d.h. das Üben ist kein Selbst­zweck, sondern es hat das Ziel, das Ein-geübte dann auch aus?zuüben, zu verwirklichen über die Zeit des Einübens hinaus. So soll das, was wir hier einüben: Umgang mit Stille, Gebetsweisen, zu sich kommen und Gespräch mit Gott…) auch über die Zeit des Kurses hinaus weitergehen!

 

  • Die Zeit des Übens ist noch kein Ernstfall, sie hat etwas Spielerisches an sich, d.h. ich probiere noch aus, experimentiere, mache Erfahrungen.

 

  • Übungen sind ein Stück Spiel, sie sind aber unter Umständen auch mühsam und anstrengend (Training im Sport, Übungen in der Musik...); es braucht oft Geduld, bis sich Verkrampfungen lösen.

 

  • Übungen haben oft auch etwas Künstliches, Gestelltes, Krampfhaftes an sich (Rechenübungen in der Schule, Tonleitern beim Erlernen eines Instrumentes...: langweilig, es kommt nichts bei raus, un-interessant). Dennoch sind solche Übun­gen notwendig, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, eine bestimmte Fertigkeit zu erlangen!

 

 

Geistliche  Übungen

 

Was ist geistlich? Was ist der Unterschied von geistig und geistlich?

 

  • Wenn ich mich geistig auf etwas ausrichte, dann ist vor allem mein Kopf ange­spro­chen, mein Denken, mein Verstand. Ich denke über etwas nach, aus einer gewis­sen Distanz heraus, bin kritisch: in einer geistigen Übung suche ich Argumente, Gegenargumente. Mein Scharfsinn ist gefragt, - die Schärfe des Verstandes.

 

  • In einer geistlichen Übung bin ich ganzheitlich angesprochen. Ich bin mit allen Kräften engagiert: Verstand und Gefühl, Kopf und Herz. Ich bin selber betroffen, angesprochen, ich kann mich nicht heraushalten und soz. als unbeteiligter Zuschauer über etwas nachdenken; ich muss mich ganz auf etwas einlassen, es in mein Leben übersetzen, es darin ausprobieren, Erfahrungen sammeln. Es ist nicht so sehr mein Scharfsinn gefragt, sondern mein Spürsinn, - dass ich spüre, was in meinem Leben los ist: die Wünsche, Sehnsüchte, Hoffnungen oder auch Enttäu­schungen, Trauer, Verwundungen..., und dass ich dem vor Gott Raum gebe und dabei wieder spüre, was sich in mir regt und mir hilft zu mehr Vertrauen, Stille, Zuversicht, Freude usw. Schon das ist für viele nicht leicht, zu spüren: was ist in mir los, mit welcher Stimmung, Gestimmtheit bin ich jetzt da, wahr-zunehmen: in seiner Wahrheit anzunehmen, was jetzt bei mir ist, und dem vor Gott Raum zu geben und wieder zu spüren, was sich tut, oder auch zuzulassen, dass sich nichts tut und ich so vor Gott sein darf.

 

  • In einer geistlichen Übung kann ich also nicht auf Distanz bleiben, es geht um die persönliche Erfahrung, es geht um das Existenzielle, d.h. um das, was mich in meiner Existenz, in meinem Leben betrifft. Es gilt, zur persönlichen Erfahrung durchzustossen, d.h. das Allgemeine, Konventionelle, Prinzipielle (also das, was für alle gilt!) oder das Institutionelle (die feste Struktur, die das Ganze zusammenhält) zu durchstossen auf das Persönliche hin, die persönliche Betroffenheit, wo etwa ein Wort der Schrift mir zur persönlichen Erfahrung wird oder wo eine Aussage, ein Bekenntnis des Glaubens (Gott - mein Schöpfer z.B.) durch meine persönliche Erfahrung gedeckt ist und so auch echt wird, wenn ich davon spreche. - Dieser Durchbruch auf das Persönliche hin sieht natürlich für jeden anders aus: jeder/jede macht die je eigene Erfahrung, wo man keine allgemeinen Regeln mehr angeben kann, sondern nur Hilfen zur Verfügung stellen kann, um sich durch die je eigene Erfahrung von Gott, genauer: vom Hl. Geist führen zu lassen. Damit sind wir bei einem weiteren Stichwort:

 

 

Geistliches Leben

 

Geistliche Übungen (exercitia spiritualia) sind auf das geistliche Leben ausgerichtet, auf das spirituelle Leben (spiritus sanctus: Hl. Geist), d.h. auf ein Leben, wo ich mich mehr und mehr vom Hl. Geist leiten lasse. Der Hl. Geist ist der eigentliche Seelenführer, der Exerzitienmeister: also Meister des geistlichen Lebens, bei IHM liegt alle geistliche Führung, - Menschen können allenfalls geistlich begleiten. Geistliche Übungen dienen also einem Leben, wo Gott/Jesus mich mehr und mehr im Hl. Geist leitet. Diese Führung wird spürbar in dem, was ich erlebe, erleide, - in dem, was mich irgendwie bewegt, betroffen macht, wo bei mir etwas los ist, sich in irgendeiner Weise regt. Vgl. Paulus (Gal 5, 22): „die Früchte des Hl. Geistes sind Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“. Von daher kann man geistliches Leben in verschiedener Weise umschreiben:

 

  • gläubiger Umgang mit den Realitäten unseres Lebens
  • Leben im Dialog mit Gott
  • Leben aus dem Hl. Geist, sich führen lassen vom...
  • Gott suchen und finden in allen Dingen (Ignatius)
  • Glaube, der geht (Kl. Hemmerle), - der unterwegs ist, Erfahrungen macht, sich in den Erfahrungen auf dem Weg bewährt, vertieft, reift..., darin Gottes Stimme hört.

 

Von daher wird deutlich, dass die Einübung ins Gebet, die geistlichen Übungen, zu denen dieser Kurs Hilfen geben möchte, kein theologischer Lehrgang sind, keine Vortragsreihe über das Gebet, keine religiöse Weiterbildung..., dass es also nicht in erster Linie (vielleicht nebenbei) um Klärung oder Diskussion religiöser Fragen geht (vgl. dazu andere Angebote der Erwachsenenbildung), sondern um eine Einübung in ein Leben mit Gott, in ein geistliches Leben, in ein Gebetsleben, wo ich Gottes Botschaft für mich persönlich hören und erfahren möchte. Entscheidend ist, dass ich mich auf das Beten selbst und meine Erfahrungen damit einlasse in meinem konkreten Alltag. Damit noch kurz etwas zu einem letzten wichtigen Akzent dieses Kurses:

 


... im Alltag

 

Es wird uns um geistliche Übungen gehen, um Übungen des Gebetes nicht neben, sondern im Alltag. Der Alltag selbst, so wie er konkret ist in Familie, Beruf und Gesellschaft, ist das Material, der Stoff, mit dem ich üben will, mit dem ich beten will, - der Inhalt, den ich betend vor Gott bringen möchte. Alles, was zu meinem Alltag gehört, soll zu einem Leben mit Gott werden. In diesem Sinne wird es um Gebetsübungen gehen, die mir helfen, in meinem Alltag, „in allen Dingen“ (Ignatius) die Spuren und Hinweise Gottes zu suchen und zu finden. Es wird also darum gehen, eine persönliche geistliche, vom Geist Gottes geführte Lebensweise zu finden und einzuüben im konkreten Alltag - in der Situation, in der ich jetzt bin, in dem Alter, Stand..., die für meinen Alltag richtige Gebetsart, Weise der Verbundenheit mit Gott zu finden, so dass sich Gebet und Leben mehr und mehr durchdringen.

 

 

Ziel und Gestaltung

 

Der Kurs möchte sich an all die wenden, die den Wunsch nach einer Vertiefung ihres religiösen Lebens im Alltag verspüren und bereit sind, sich auf einen Gebetsweg einzulassen, der auch Zeit und Kraft fordert. Ziel dieses Weges ist es: das eigene, in Familie, Beruf und Gesellschaft eingebundene Leben wahrzunehmen, - im Zurückschauen darauf Spuren des lebendigen Gottes zu entdecken und seine Führung zu verstehen, - sich als einmaligen Menschen von Gott angenommen und angerufen zu erfahren, - sein eigenes Leben zu ordnen zu einem freieren und liebenderen Leben hin und bewusster aus dem Geiste Jesu zu gestalten zu mehr Verantwortung in Kirche und Welt von heute. Dazu werden wir an gemeinsamen Abenden Formen des Gebetes und einen Weg geistlicher Übungen kennen lernen, die es dann in einer steten Aufmerksamkeit im Alltag und in persönlichen Gebetszeiten einzuüben gilt. Dieser Gebetsweg in geistlichen Übungen orientiert sich an den Erfahrungen des hl. Ignatius von Loyola, durch die er von Gott auf seinem persönlichen Bekehrungs- und Berufungsweg zu einer so tiefen Gottverbundenheit geführt wurde, dass er ihn schliesslich in allem, was ihm begegnete und sich ereignete, suchen und finden konnte und darin eine grosse Kraft für seinen Alltag bekam. Das persönliche Gespräch mit dem Begleiter möchte helfen, die Hinweise, die der Alltag und die Gebetszeiten mir geben, zu sehen, zu deuten und für mein Leben fruchtbar werden zu lassen.

 


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