Bibel verstehen

Schwarzweiss Bild von drei Schrifttafeln

Die Bedeutung des ersten Testaments für uns heute:

Von unserer kirchlichen Glaubenstradition her ist dieses Erste Testament oft unterbelichtet gewesen oder reduziert worden zu einer Sammlung von interessanten Geschichten, die wir dann als ‚Biblische Geschichte' in der Schule gelernt haben. Wer einmal von Adam und Eva, von der Sintflut, von Abraham, Hagar, Sara und Rebekka, Rahel und Lea, von Josef und seinen Brüdern, von Moses und dem Pharao, vom Hirtenjungen und König David und dessen Widersacher Goliath gehört hat, der wird diese grossartigen Figuren nie vergessen. Dennoch besteht eine gewisse Gefahr, dass wir diese Geschichten mehr nur als Ouvertüre zum eigentlichen Buch, zum Neuen Testament, anschauen. Wir müssen neu lernen auf die eigene Botschaft dieser ‚hebräischen Bibel' zu hören, welche auch für Jesus von Nazareth die heilige Schrift war, welche er jeweils am Sabbat in der Synagoge hörte, in sich aufnahm und sehr viel zitierte. In diesem Sinne ist es richtig und wichtig, von einer jüdisch-christlichen Tradition zu sprechen, die man nicht in ein ‚alt' (veraltet) und ‚neu' (was jetzt gültig ist) unterteilen kann, sondern als die eine Grundlage auch unseres Glaubens verstehen muss. Gab es früher vor allem Ausgaben des Neuen Testaments, so ist seit einigen Jahrzehnten auch in katholischer Umgebung immer die ganze Bibel in einer Buchausgabe zusammengefasst. Und immer mehr macht man auch eine neue Einteilung anstatt jene von zwei Testamenten. Man spricht dann von der Tora (den fünf Büchern von Moses), den Propheten, der Weisheitsliteratur und den messianischen Schriften (Evangelien, Apostelgeschichte und Briefe). Es geht also hier um eine Einteilung, welche den Zusammenhang der beiden Testamente betont. Auf diese Weise können wir auch in einer Zeit, wo der hergebrachte Glaube für viele zu ‚verdampfen' scheint, auf die Inspiration jenes Buches verweisen, das - neu entdeckt - auch uns individualisierten Menschen in der Postmoderne eine Richtung angibt, ohne fundamentalistisch zu werden.

Peter Spinatsch