Jugendreise nach Kroatien vom 21. bis 28. Juli 2002
Spontan kam im Gespräch zwischen Fabio Witschi, Jugendanimator, und Vikar Jerko Bozic die Idee, mit jungen Menschen aus der Pfarrei St.Marien das Heimatland des Vikars zu besuchen. Acht Teinehmer/innen und zwei Begleiter machten sich am Sonntagabend, 21. Juli 2002 nach der Messe auf die 700 km lange Reise bis zur ersten Station Rijeka.
1. Tag: Thun - Simplon - Milano - Venezia - Trieste - Rijeka
In Cavle bei Rijeka erwartete uns Mile Bozic, der Cousin des Vikars; seine Frau Slavica bereitete uns ein üppiges Frühstück, welches wir nach der nächtlichen Reise mit Genuss vertilgten. Nach einer Siesta zeigte uns Mile den drittgrössten Marienwallfahrtsort Kroatiens - Trsat. Von der Burg aus konnte man herrlich über die grösste Hafenstadt des Landes blicken - Rijeka (ital. Fiume). Ein gewaltiges Gewitter liess uns in die nächste „Gostiona“ (Gaststätte) fliehen. Beim „Pivo“ (Bier) oder anderen Flüssigkeiten liessen wir das Unwetter über die Stadt ziehen. Am Abend kaufte sich Fabio ein Angelrute in der Stadt; danach besuchten wir Opatija, das „Nizza Kroatiens“, den ältesten und vornehmsten Badeort der Kvarnerbucht. Müde von der langen Fahrt und den vielen Eindrücken meldete sich auch der Magen - kurzerhand stürmten wir die Pizzeria „Kokolo“ in Rijeka. Die eine Hälfte der Gruppe übernachtete im Pfarrhaus Cavle, die anderen im Haus von Mile. Dem Wunsch von einigen, noch bei Mile auf ein Pivo zu gehen, konnte der Vikar nichts abgewinnen, da wir für die Fahrt am nächsten Tag fit sein müssten. So ging man halt eben zu Bett...
2. Tag: Cavle - Senj - Pag - Filipjakov
Slavica verwöhnte uns wiederum mit einem feinen Frühstück. Freundschaften konnten geschlossen werden, die wohl noch einige Zeit anhalten werden. So gegen zehn Uhr brach die Gruppe mit ihrem Fiat Ducato auf, der Küste entlang das Land zu erkunden. Am Mittag hielten wir im Hafenstädtchen Senj, welches dominiert wird von der Burg „Nehaj“, die machen Leuten auch hierzulande aus der TV-Jungendserie „Die Rote Zora“ bekannt ist. Nach weiteren eineinhalb Stunden Fahrt setzten wir mit der Jadrolinija-Fähre auf die Insel Pag über (Jadran = Adria). Diese langgezogene Insel fällt auf, indem sie auf der Ostseite sehr karg, ja wüstenhaft erscheint, jedoch auf der Westseite sehr üppige Vegetation aufweist. Bekannt ist die Insel auch durch die grossen Salzgewinnungsfelder (Solana Pag). Unterwegs machten wir einen Zmittaghalt (15 Uhr), so dass wir unser Tagesziel, das Badedorf Sv.Filipjakov so gegen 17 Uhr erreichten. Während der Vikar im Ferienappartement bei seinen Eltern logierte, wurden die anderen Gruppenmitglieder in einer Pension mit geräumigen Zimmern (Dusche, WC und Kühlschrank fürs Pivo und die selbstgemachte Bowle) untergebracht. Noch am selben Abend testeten einige die Wassertemperatur des Meeres (ca. 26°C). Andere schleppten gleich eine Kiste Pivo an, um ja nicht dürsten zu müssen. Die Eltern von Vikar Jerko bereiteten ein einfaches Nachtessen. Nach einem schönen Abendspaziergang am Meer entlang begaben sich die meisten in die Zimmer (nicht alle haben sofort geschlafen - nicht wahr?!).
3. Tag: Baden und Sünnele
Die Reiseteilnehmer/innen konnten frei entscheiden, was sie unternehmen wollten. Nach dem Frühstück begaben sich einige sogleich ans oder ins Wasser. Andere trauten sich erst am späteren Nachmittag hinein - die Sonne war ja auch gnadenlos. So halfen wir uns gegenseitig beim Aufblasen der diversen Wassermatten und -bälle. Es war ein richtiger Tag zum ausruhen nach mittlerweile schon ca. 900 km Fahrt in den Gliedern. Am Abend gab es Spaghetti.
4. Tag Filipjakov und Zadar
In der Nacht hat es geregnet und auch der Vormittag schien bewölkt zu bleiben. So entschlossen wir uns kurzerhand, einen Ausflug in die Stadt Zadar zu unternehmen, damit endlich diejenigen zum Zuge kamen, die so gerne „lädele“. Zadar hat ca. 70'000 Einwohner und weist eine sehenswerte Altstadt auf, die auf einer Halbinsel vorgelagert ist. Viele grosse und kleinere Fährverbindungen haben hier ihren Ausgangspunkt, sei es auf die kroatischen Adriainseln oder auch nach Ancona in Italien. Interessant sind auch die bunten Märkte (Trznica, Pijaca) mit Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch, Kleider, Schmuck und Spielsachen bis hin zu sogenannten abwaschbaren Tätowierungen (der letzte Schrei). Am Nachmittag kam dann doch noch die Sonne hervor und das Meer lud zum Bade. Nachtessen auswärts.
5. Tag: Plitvice-Nationalpark - Vaganac - Slunj
Unsere Reise führte uns nun ins innere des Landes, vorbei an zahlreichen Spuren des letzten Krieges von 1991-1995. Unzählige Häuserruinen, verlassene Siedlungen und entvölkerte Landstriche. Diese traurige Tatsache darf auch einem Reisenden nicht verborgen bleiben, zumal viele Menschen in Mittel- und Westeuropa immer noch nicht wissen, was da vor ihrer Türe geschehen ist. Die Region Lika beispielsweise, hat sich demografisch noch nicht einmal vom letzten Weltkrieg erholt, geschweige denn vom Wüten in den 90er-Jahren. So gehörten auf die Ferienföttelis nicht nur Meer und Sonne, sondern eben auch solch traurige Dinge - in der Hoffnung, dass unsere Jungen diese Fehler nie mehr begehen werden. Schliesslich durften wir doch noch die Schönheiten der Schöpfung an diesem Tag bewundern, nämlich im Plitvice-Nationalpark; dieser wird aus einem System von 16 aneinandergereihten Seen gebildet, die wie ein riesiger Brunnen ineinander fliessen. Das türkisfarbene Wasser und die üppig-grüne Vegetation hat schon die Macher der
Winnetou-Filme in den 60er-Jahren an diese Stätte gezogen; hier wurden einige Szenen gedreht. Die Gruppe blickte unterwegs nach Bosnien-Herzegowina hinüber und besuchte kurz das Dorf Vaganac, wo die Eltern von Vikar Jerko aufgewachsen waren; anschliessend gab es ein Zvieri in Dreznik bei der Cousine des Vikars, bei der Familie Zanic, die gerade in den Ferien zuhause weilte; ansonsten lebt die Familie in Steffisburg. Gegen 20.30 Uhr trafen wir in Slunj ein, wo uns der Pfarrer Mile Pecic sowie die Ordensschwestern Sr. Amalija, Sr. Dionizija und Sr. Veronika herzlich aufnahmen und mit einem feinen Nachtessen versorgten. Der Pfarrer erzählte uns von den Kriegsjahren, als 20'000 Menschen seines Dekanates vor den serbischen Agressoren fliehen mussten; die wütenden Horden der sogenannten Cetniks wurden von der mächtigen Jugo-Armee unterstützt während die eigenen Leute kaum ein Jagdgewehr besassen. Slunj und die Dörfer samt ihren Kirchen rundherum wurden wieder aufgebaut. Als eine Botschaft, dass die Menschen wieder zurückkehren konnten, gilt auch die Geschichte des Pfarrhaushundes. „Lisko“ konnte seinem Herrchen damals nicht auf der Flucht folgen, er schien verloren gegangen zu sein. Aber der Hund mit den treuen Augen hat tatsächlich vier Jahre lang in Slunj auf sein Herrchen gewartet. Wie hat er überlebt? Da kann auch Pfarrer Mile nur Vermutungen anstellen.So eine Geschichte sollte man bei Hochzeiten den Brautpaaren erzählen, von wegen „in guten und in schlechten Zeiten...“.
6. Tag: Karlovac - Zagreb - Krapinske Toplice
Nach der Messe um acht Uhr, dem Frühstück und einer Fotorunde verabschiedeten wir uns von Pfarrer Mile und den lieben Schwestern. Unser Weg führte uns via Karlovac und Zagreb-Umfahrung in die Region Zagorije, genauer in den Kurort Krapinske Toplice. Während Vikar Jerko im benachbarten Wallfahrtsort Pregrada eine Trauung mitgestaltete, gingen die anderen auf Erkundungstour; Baden, Spazieren, „E-chli-sy“. Das Nachtessen soll jedoch ziemlich enttäuschend gewesen sein, so dass sich die Gruppe unter Leitung von Fabio in den Bus setzte und in die nächste Stadt fuhr, nach Krapina, wo ein Disco unter einheimischer Führung in Beschlag genommen wurde. Frühmorgens holte man den Vikar dann im Schloss Bezanec ab, wo die Hochzeitsgesellschaft tafelte. Es galt nun, ein paar Stunden Schlaf zu finden, denn am Morgen ging es auf die lange Heimreise.
7. Tag: Slowenien - Trieste - Milano - Thun
Endlich - am letzten Tag unserer Rundreise hat Fabio herausgefunden, warum das Radio die ganze Zeit streikte: ein Sicherungselement war rausgefallen und hatte sich zwischen die Wagenpapiere versteckt. Nun, jetzt war das „Gschtürm“ entbrannt, welcher Sender nun der bessere sei, und welche Musik zu dröhnen hatte. Kurzum, wir stellten das Radio mehrheitlich wieder ab und genossen die grüne und hügelige Landschaft Slowieniens, vorausgesetzt, man hatte kein Schlafmanko zu bewältigen. Gegen 20.30 Uhr trafen wir müde, aber glücklich in Goppenstein ein und in Kandersteg wollten einige sogar umkehren und wieder ans kroatische Meer fahren. Den Versuch, so eine ungewöhnliche Reise zu organisieren und durchzuführen, war es wert.
Jerko Bozic, Vikar St. Marien ThunRöm.-Kath. Kirchgemeinde Thun, Kapellenweg 7, 3600 Thun, Tel. 033 225 03 53, Fax 033 225 03 63
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