03.05.17

Liebe Freunde

In einer Zeit der Unruhe in der weiten Welt, in der Machthaber ohne wirklichen

und tiefen Bezug gottesfern sind, kann es einem schon mulmig werden.

Was machen Kim – Putin – Trump? Was machen Mächtige in Wirtschaft und Politik?

Was geschieht im Sport, in dem es sooft nur um Geld geht? Und wo stehen die Kirche und ihre Gläubigen?

Papst Franziskus, sage und schreibe 80-jährig, stellte die Leidenden in dieser Welt ganz in den Mittelpunkt seiner Oster-Worte. Die Verfolgten, die Verhungernden, die Gequälten,die Hilflosen.

In seinen Worten: «All jene, die in der Gesellschaft die menschliche Würde gekreuzigt sehen». «Sie spiegeln das Gesicht von Frauen und Müttern wider, die weinen, weil sie sehen, wie das Leben ihrer Kinder unter der Last der Korruption begraben wird«,

Neben der Korruption, die Kinder all ihrer Rechte beraubt, klagt Franziskus die Bürokratie an, die eine Änderung der Dinge nicht zulässt. Du und ich feiern Ostern, den Auferstanden inmitten dieser Realität, und können nichts ändern, aber auch gar nichts. Nur eines bleibt uns: uns noch mehr, mit aller Wucht auf IHN, den wir heute feiern, zu werfen.

In der Osternacht, im Evangelium nach Matthäus, in einem der unzähligen Osterberichte, begegnet Jesus Christus den Frauen uns spricht:

«Seid gegrüsst» - «Fürchtet euch nicht» Das sind die ersten beiden Sätze des Auferstandenen. Keine Frage nach Warum: «Warum seid ihr weggelaufen? – Wer ist Schuld an dem, was geschehen ist?» Nein – nein – «Gegrüsset sollt ihr sein

– Willkommen, mit all dem was geschehen ist – was ihr seid – was euer Leben ausmacht!».

Wissen Sie, was meiner Meinung nach eine der grössten Sünden oder ein grosses Problem der Welt überhaupt ist? Dass wir unser eigenes Leben nicht annehmen und willkommen heissen können. Uns ganz anblicken lassen können von IHM – der uns auch heute zuspricht: «Seid gegrüsst!» Denken Sie doch darüber nach,

und beten Sie mit mir um diese Gnade der Annahme unser selbst. Lassen Sie sich lieben und durchdringen von IHM, hier und jetzt. Wir brauchen IHN so fest,

unter uns – in dieser Welt – in der Kirche. Wir brauchen Menschen, die sich ganz

und mit allem annehmen können, die sich lieben lassen können, die sich auseinandersetzen, die Suchende sind und dabei ganz Mensch.

 

Nach dem Grusswort Jesu folgt im Evangelium der Satz: «Fürchtet euch nicht.» Eigentlich fürchten wir uns doch alle, wenn wir ehrlich sind. Furcht gehört zu unserem Leben, macht unser Leben aus. Doch diese Zusage enthält den tiefen Wunsch, dass wir in sein Verbundensein mit uns hineintauchen und daraus voll Vertrauen und mutig unseren Lebensweg beschreiten. Im Einssein mit ihm und uns selber liebend, weil er uns liebt, Schritt für Schritt bewusst den Weg gehend. Auch unangenehme und schwierige Wege. Vielleicht sind es gerade diese, die das Leben vertiefen und ändern. So ist Bruder Klaus den schweren Schritte des Aufbruches gegangen und wusste nicht, wohin er zu gehen hatte. Nur eines trieb ihn: die Sehnsucht, noch tiefer bei IHM, dem Auferstandnenen, zu sein. «Fürchtet euch nicht! Denn ich, Christus, bin immer bei euch!»

Gestern durfte ich bei einem sterbenden Mann eine ungeheure Begegnung machen. Ich tat mich schwer, hinzugehen und auch wieder wegzugehen. Weil es so um das Letztliche ginge. Er war schwach und am Abschiednehmen. Im Kopf war er noch ganz präsent und da. Gestern redete er noch mit seinem Sohn, der auf Hoher See ist, per Telefon. Hell wach – weil es ihm wichtig war. Nun standen seine Frau und ich am Bett. Wir redeten über das Sterben. Er fürchtet sich nicht und sagte: «Ich freue mich!» Diese Aussage möchte ich in mir noch mehr zu klingen bringen. In dieser Not, dem Letzlichen und Loslassen, ist im Blick auf IHN – Jesus Christus – Freude da. Ein grosses Geheimnis von einem Sterbenden an uns alle, die wir noch leben. Danach spreitze der Mann seine eine Hand, die er noch bewegen konnte, weit auf und forderte mich auf, meine in seine zu legen. Dann sprach er:»Beten wir noch. Patrick, bete bitte.» Er konnte nur noch eine Hand bewegen und brauchte eine zweite, damit er in die Haltung des Gebetes kommen konnte. Zusammen beteten wir – beim Vater unser und Grüsst seist du Maria sprach er immer wieder einzelne Worte mit.Er brauchte unsere Worte, damit er mitbeten konnte. Nach dem Segen und dem Kreuzzeichen auf die Stirn wurde es einen Moment ganz ruhig. Himmel und Erde berührten sich. Das ist alles, was wir auf dieser Welt brauchen:

Himmel und Erde sollen sich berühren. Danach rief er seine Tochter ganz laut beim Namen. Er spürte, dass sie auf dem Weg zu ihm war. Seine Stimme erschallte durch alles hindurch, denn nichts kann das Letztliche aufhalten.

 

Ja – seid Grüsste – fürchtet euch nicht.

 

In den Osterntexten liegt die Fülle von Ostern. Wir begegnen Petrus, der vor der Gemeinde zu reden begann und über Jesus sprach und alles, was geschehen war. Wissen wir wirklich noch, was damals geschehen war? Wissen wir wirklich, wer Jesus war und heute noch ist? Nicht nur mit dem Verstand. Sondern Wissen im tieferen Sinn. Denken Sie darüber nach in den kommenden Tagen, und im Darüber-Nachsinnen kann Wesentliches geschehen. Im Korintherbrief heisst es, dass wir den alten Sauerteig wegschaffen sollen. Die Boshaftigkeit und Schlechtigkeit. Wir sollen das Fest feiern in Aufrichtigkeit und Wahrheit. Ein Fest sollen wir feiern zusammen, weil Jesus da ist unter uns. Immer und immer wieder. Altes wegwerfen und Neues beginnen. Und dann der wunderschöne Osterbricht von Maria von Magdala. All es noch dunkel war, ist sie gelaufen. IHN wollte sie sehen – bei ihm sein. Petrus und der Jünger, den er liebte, liefen auch. Aufregung – Aufbruch – Suche. Petrus der Fels – und wir sind mit dem Jünger, den er liebte, alle gemeint.Jede und jeder Einzelne sind wir eingeladen, mitzulaufen. Denn Jesus liebt uns.

Begegnung mit dem leeren Grab. Die Jünger kehrten heim. Doch Maria blieb, weinte und beugte sich erneut in die Leere. Dann die Begegnung mit IHM. Alles ist nichtig neben dem, was hier geschieht. Begegnung - Maria – Warum weinst du? – Rabbuni – Meister – göttliche, uns alle übersteigende Begegnung. Halte mich nicht fest, denn ich gehe zu meinem Gott und zu eurem Gott. Wir können es nicht festhalten, doch uns immer und immer wieder als Suchende hineinnehmen lassen in das Grosse Geheimnis des Lebens. Tun wir es nicht nur für uns – Maria hat es für uns alle getan. Beten wir – feiern wir füreinander und miteinander. Nie tun wir dies allein für uns.

 

Patrick Erni-Schmidier, Diakon und Gemeindeleiter St. Marien

 

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