30.11.15

Zum Nachdenken - Das Geheimnis des Lebens...

Es gibt Zeiten, da überschlagen sich die Ereignisse im Leben richtiggehend. Die letzten zwei Wochen waren für mich turbulent – geschichtsträchtige Kirchgemeindeversammlung – Sitzungen und Gespräche – Menschen, die von ihrer Not erzählten – ein Vortrag von Sam Hess, der arme Seelen sieht und dabei hilft, dass Menschen wieder Ruhe finden.

 

Vielleicht haben auch Sie intensive Tage hinter sich? Inmitten diesen intensiven Lebens tut es gut, ruhig zu werden, die Seele und somit das Leben anheimzugeben – in die Hände jenes Gottes zu legen, der einfach da ist. Und dürfen wir tief und tiefer in das grosse Geheimnis seiner Liebe vordringen. Ich bin froh, dies mit Mitmenschen teilen zu können. Mit Menschen von St. Martin und St. Marien– vom Berner Oberland – aus der ganzen Schweiz - ja der ganze Welt.

 

Dabei wird mir eines immer mehr bewusst: Je tiefer die Reise geht, desto grösser sind die Auseinandersetzungen. Auch dies ist ein Geheimnis des Lebens. Vielleicht spürt man dann jeweils mehr, erkennt mehr, wird mehr angegriffen und erfährt seine ganz persönlichen Schattenseiten immer mehr. Also nicht wundern, wenn es stürmt, schneit oder blitzt im Leben – es gehört zum Leben und es ist gut – dann gut, wenn wir es mit Gott und den Menschen teilen. Teilen im guten Sinn – offen, ehrlich, auf sich selbst, den Mitmenschen und Gott blickend. Alles andere ist zerstörend und vernichtend – doch auch das gehört zum Menschsein, und zum Glück kann Gott aus Allem etwas Gutes machen, auch wenn es über unser Sterben hinausgeht.

 

Durch das Erwachen unseres innersten Geheimnisses werden tiefsitzende Verletzungen aktiviert. Wir tragen in uns unzählige Verletzungen und vielleicht sogar eine Kernverletzung. Solange wir sie unbewusst in uns tragen, strahlen sie immer wieder in einer negativen Art aus. Ja, ein Sprung in der Platte erzeugt falsche und schmerzende Töne. Vielleicht bin ich als Kind vernachlässigt worden, war immer an allem Schuld, drehte sich alles nur um das Geld oder ich bin sogar geschlagen und gedemütigt worden. Es ist ganz normal, dass wir als Kind lernen, eine Schutzmauer um uns herum aufzubauen. Wir haben gelernt, alleine mit Schwierigkeiten umzugehen, zu kämpfen, uns zurückzuziehen und vieles mehr. Oft im Leben werden wir aus unseren Verletzungen heraus vom Opfer zum Täter. Unbewusst oder bewusst. Meist aus tiefen Verletzungen heraus verletzen wir unsere nächsten und vielleicht liebsten Menschen. Wie viele Familienkonflikte und Erbstreite es doch gibt unter uns. Alle entstanden aus Verletzungen.


Was für ein Weg ist möglich?!?


Es ist wichtig, dass wir beginnen, unsere Verletzungen zu erkennen, sie wahrzunehmen und anzunehmen. Es ist wichtig, dass wir uns bewusst sind, dass auch wir oft Täter sind. Es ist wichtig, um Verzeihung zu bitten und die Verletzungen Gott immer und immer wieder zur Heilung zu übergeben.

 

Zum Erwachsenenwerden gehört dazu, auch für unbewusst gelebte destruktive Handlungen die Verantwortung zu übernehmen. Hinter dieser Kernverletzung liegt Energie – ist unser Charisma – unsere Kraft. Wo immer ein Mensch seine Schutzmauer abbaut, wird er zum Menschen der verletzlich ist. Wo immer ein Mensch es schafft, seine Schutzmauer abzubauen, wird er zum Spezialist im Suchen und Finden neuer konstruktiver Wege eines liebevollen Miteinanders.

 

Vielleicht eine Aufgabe für uns alle in dieser Adventszeit hin auf Weihnachten. Jede und jeder mus dabei bei sich beginnen – nur bei sich. Und auf einmal verändert sich das Leben.


Nicht das Materielle soll uns in diesen Tagen begleiten, sondern das Geistige. Und mit dem Geistigen die Auseinandersetzung mit dem Leben. Dabei geht es um drei Sachen:


Ganz bei sich zu sein. Ganz bei Gott zu sein. Ganz bei den Mitmenschen zu sein. Wenn wir diese drei Ebenen verbinden, werden wir zum Licht und zum Segen.


Nein, es wird nicht einfacher – vielleicht noch schwieriger. Doch es wird tiefer, sinnlicher und erfüllender.

 

Was gibt es Schöneres, als in kindlicher Armut bei der Krippe anzukommen und zu begreifen, dass auch er Mensch geworden ist. Und auf einmal wird der Sprung in der Platte zu einem wunderschönen Ton, der Leben und Licht weiterschenkt.

 

                                  Patrick Erni-Schmidiger
Gemeindeleiter und Diakon
Pfarrei St. Marien, Thun


 

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