01.08.15

Zum Nachdenken - Eignet sich nur zum Nachdenken!

Das sehe ich, und das verwirrt mich. Ich schaue in alle Richtungen, und ich sehe überall nur Dunkelheit. Die Natur bietet mir nichts, was nicht Anlass zu Zweifel und Unruhe wäre. Sähe ich in ihr nichts, was auf eine Gottheit hindeutete, so würde ich mich gegen sie entscheiden; sähe ich überall die Zeichen eines Schöpfergottes, so würde ich ruhig im Glauben verharren. Da ich aber zuviel sehe, um zu verleugnen, und zuwenig, um Gewissheit zu haben, bin ich in einem beklagenswerten Zustand, in dem ich hundertmal gewünscht habe, dass, wenn ein Gott die Natur erhält, sie unzweideutig auf ihn hinwiese, und dass, wenn die Zeichen, die sie von ihm gibt, trügerisch sind, sie diese vollständig austilgte, dass sie alles oder nichts sagte, damit ich sehen könnte, welcher Seite ich mich anschliessen muss.

 

In dem Zustand, in dem ich mich befinde und wo ich nicht weiss, was ich bin und was ich tun soll, erkenne ich statt dessen weder meine Lage noch meine Pflicht. Mein Herz strebt ausschliesslich nach der Erkenntnis, wo sich das wahre Glück befindet, damit es sich ihm widmen kann; für die Ewigkeit wäre mir nichts zu mühselig.


Ich beneide diejenigen, die ich so unbekümmert im Glauben leben sehe und die eine Gabe so schlecht gebrauchen, von der ich, wie mir scheint, einen so ganz anderen Gebrauch machen würde.


(Zwierlein 398/ Lafuma 429/ Brunschvicg 229)


Blaise Pascal, Gedanken, übers. von Ulrich Kunzmann, hers. von Eduard Zwierlein, Suhrkamp 2012, 178.

 

                                      Kurt Schweiss, Pfarrer
  Pfarrei St. Martin, Thun


 

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