06.07.15

Zum Nachdenken - Ich liebe das Buch Tobit

Vater, Sohn, eine Reise, die Tobias nicht alleine gehen muss, weil Raffael, ein Engel, ihn begleitet. Viele Gefahren, Herausforderungen und Schönes erlebt er auf dieser Reise. Angetrieben wird Tobias aus der Verbundenheit zu seinem Vater, begleitet von Gott selbst und vertrauend darauf, dass es einen Weg gibt.


In einem Abschnitt Tob 3,1-11a.16-17a lesen wir einen kurzen Ausschnitt aus diesem Buch, von zwei Menschen, die verzweifelt sind. Sie Leben sozusagen in der dunklen Nacht und wissen keinen Ausweg mehr. Tobit hat seinen Sohn geschickt. Doch wo ist er? Kommt er zurück? Er zweifelt und ringt, doch in diesem Dasein wendet er sich ganz Gott hin. Auch Sara ringt mit dem Leben. Sie denkt sogar an den eigenen Tod. Sie möchte sich eigentlich erhängen. Doch sie denkt weiter und sucht letztlich bei Gott Zuflucht, indem sie ans Fenster tritt und betet. Gepriesen seist du, Herr, mein Gott. Gepriesen sei dein heiliger und ehrwürdiger Name in Ewigkeit.


Dies ist meiner Ansicht nach ein Text, der uns heute viel in unseren Alltag mitgeben möchte. Lassen wir uns doch auch begleiten, so wie sich Tobias begleiten liess. Einerseits von Raffael, der mit ihm ging und andererseits vom Engel und somit letztlich von Gott selber, der da war an seiner Seite.


Sara und Tobit rangen mit dem Leben, doch wandten sie sich nie von Gott ab. In äusserster Verzweiflung suchten sie Zuflucht und Kontakt. Sara selber pries Gott sogar und gab ihm alle Ehre. Dies in der Verzweiflung. Nicht Sara war schuld am Tod der sieben Männer, sondern der Dämon wütete unermüdlich. Warum heute diese Grausamkeit unter den Menschen? Vielleicht ist nicht einmal der einzelne Mensch so daran schuld, weil er schlussendlich selbst ein Gefangener dieser Gesellschaft ist. Vielleicht ist der Dämon am Wüten, und die Menschen wenden sich immer mehr von Gott ab. In diesem Abgewandt-sein, diesem nicht Angebunden-sein an Gott wird der Mensch vielleicht selbstüberschätzend, herrschend und brutal. Der gottlose Mensch ist nicht unbedingt schlecht oder schlechter, doch er fügt sich nicht in den Kreis des Gebetes, das gebraucht wird, damit das Heil sich durchsetzen kann. Vielleicht ist die bet-lose Gesellschaft mitverantwortlich für diese Grausamkeit der Welt. Weil die Sehnsucht nach mehr, so glaube ich, in jedem Menschen da ist. Doch wohin verirrt sich diese Sehnsucht, wenn sie nicht zu Gott gelangt?


Beten wir wie Sara und Tobit. Lassen wir uns von Gott begleiten. Im Gebet verbunden, stellen wir uns in den Dienst Gottes, der nicht nur uns, sondern die ganze Welt im Blickfeld hat. Der uns auserwählt hat, mit ihm an seinem Reich zu bauen. Bleiben wir bei Gott. Unser Weg hat ein Ziel: die Ewigkeit. Leben wir aus dem Bewusstsein, dass wir auferstehen werden. Denn Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern ein Gott der Lebenden.

 

                                  Patrick Erni-Schmidiger, Diakon
Pfarrei St. Marien Thun


 

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