05.05.15

Zum Nachdenken - Was veranlasste Stephanus, so von Gott zu sprechen...

... dass er mit dem Tod rechnen musste?

Liebe Sucherinnen und Sucher

In der Apostelgeschichte lesen wir von Stephanus, der zu Tode gesteinigt wurde. Die Steinigung wurde im jüdischen Alltag zur Zeit Jesu für gewisse Vergehen ganz selbstverständlich als Tötungsmittel eingesetzt. Stephanus war einer der 7, die von den Aposteln ausgewählt wurden, um die hellenistischen Witwen zu versorgen, welche von den jüdischen Aposteln immer wieder vergessen wurden. Er war ein Mann voll Gnade und Kraft, tat Wunder und grosse Zeichen. Sein starkes Auftreten brachte mit sich, dass Andere eifersüchtig waren und in ihm eine Gefahr sahen. Nichts desto trotz verkündigte er vom Alten Testament aus die frohe Botschaft Jesu. Stephanus sah Jesus zur Rechten Gottes stehen, was für die zuhörenden Juden eine Beleidigung Gottes war. Was veranlasste Stephanus, so von Gott zu sprechen, dass er mit dem Tod rechnen musste? Warum ging er dieses Risiko ein?
 

Fragen, mit denen ich mich vor allem in der Jugendzeit immer wieder auseinandersetzte. Ich erinnere mich sehr gut daran, wie wir im Oberstufenunterricht das Leben von Menschen durchnahmen, die ihr Leben für Jesus hingaben. Im Stillen diskutierte ich mit meinem Freund, ob wir bereit wären, unser Leben für Jesus hinzugeben. Vielleicht eine naive Frage, doch wir waren ja erst 14 Jahre alt und entschlossen uns, alles für Jesus zu tun. Was mich vor allem faszinierte und überzeugte, war die Hingabe eines Menschen für eine Sache, die nicht zum Selbstzweck diente, sondern zum Wohle aller Menschen und Gott.

 

Ein Mensch, der mich in dieser Hinsicht auch heute noch fasziniert, ist Maximilian Kolbe. Er war ein katholischer Priester, der während des 2. Weltkrieges stellvertretend für einen Familienvater in Auschwitz in den Tod ging. Heute, einige Jahre später, würde ich mein Leben wahrscheinlich nicht so schnell verlieren wollen, was auch gut ist, da ich ja heute nicht mehr nur die Verantwortung für mich alleine trage. Doch noch immer faszinieren mich Menschen, die ein selbstloses und hingabevolles Leben leben. Menschen, die sich nicht scheuen, für die ungerecht Behandelten und Unterdrückten einzustehen. Die sich nicht scheuen, ihr Leben für Andere und Gott aufs Spiel zu setzen. Was braucht es, damit der Mensch fähig ist, in aller Echtheit und Bewusstheit nicht zuerst an sich selbst, sondern an den Andern zu denken? Was macht ihn dazu fähig, wie Stephanus oder Maximilian Kolbe, das Risiko einzugehen?

 

Ich glaube, ein ausschlaggebender Punkt dafür ist es, berührt zu sein von der Liebe Gottes, einer Liebe, die nicht von dieser Welt ist. Diese Liebe vermag, so bin ich überzeugt, auf dieser Welt Berge zu versetzen. 


Nun möchte ich Ihnen folgende Frage stellen: Wo ist Ihnen die Liebe Gottes begegnet? In welchem Moment spürten Sie, nicht vom Verstand aus, sondern vom Herzen her, dass es Gott geben muss?

 
Diese Begegnungen gilt es, sich immer wieder vor Augen zu führen und sich nach weiteren solchen Begegnungen zu sehnen. Dadurch, so glaube ich, kann der persönliche Glaube weiter wachsen und reifen.

 
Und daraus wiederum kann unser Leben einen ganz anderen Inhalt bekommen. Fragen wie: „Zu was bin ich in meinem Leben bereit? Für was kann und möchte ich mich einsetzen? Zu was beruft mich Christus?“ werden plötzlich aktuell für uns.

 

Ich wünsche Ihnen und mir immer wieder das Gefühl der Nähe Gottes im täglichen Leben, damit wir aus dieser Kraft unser Leben gestalten können. Ich danke Ihnen für alles, was Sie für Andere tun und getan haben! So wird das Leben Vieler lebenswerter, und die Liebe Gottes wird auf diese Weise sichtbar.

 

                                  Patrick Erni-Schmidiger, Diakon
Pfarrei St. Marien Thun

        

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