01.02.15

Zum Nachdenken - LEBENSFREUDE

- es pfeift und guggt und lärmt - es fastnachtet

Fastnacht, eine Zeit, in der Menschen in andere Rollen schlüpfen, sich verkleiden, Regierung und Kirche auf’s Korn nehmen, schnitzelbänklen, schränzen, tanzen, umherziehen, auf der Gasse übernachten, sich alkoholisieren, fremdgehen… einfach anders und viel schräger als im geregelten Leben! Woher kommt dieser Brauch, diese Zeit der Ausgelassenheit?


Fastnacht kommt vom mittelhodchdeutschen Wort „Vaselnaht bzw. dem Wort faseln. Der närrische Unfug zu Frühlingsbeginn, die Vertreibung der Wintergeister wurde damit bis ins 12. Jht. gefeiert.

 

Seit dem 12. Jht. wird dadurch der Anfang der Fastenzeit, d.h. die letzten 3 Tage vor Beginn der Fastenzeit bis zum Aschermittwoch, bezeichnet.

 

Ein anderes Wort für Fastnacht, Karneval, kommt wahrscheinlich von „carrus navalis“, d.h. Schiffskarren, mit dem nach heidnischem Glauben die Götter und Göttinnen der Fruchtbarkeit wieder Einzug hielten. Vielleicht stammt die heute oft noch gebräuchliche „Schiffsform der Karnevalswagen“ in den Umzügen von dieser Zeit.

 

Ein anderer Ursprung von Karneval könnte „carne valé“ sein, übersetzt mit  „Fleisch leb‘wohl“. Dies kann als Hinweis auf die Fastenzeit gelesen werden, in der nach alter katholischer Tradition kein Fleisch mehr gegessen werden sollte.

 

So unterschiedlich diese Tage vor Beginn der Fastenzeit bezeichnet und gefeiert werden, haben sie ihren gemeinsamen Ursprung vor allem in einem Festtag des Mittelalters, dem „FEST DER NARREN“. Er wurde um den 1. Januar oder zu Beginn der Fastenzeit gefeiert. Hier zogen sonst fromme Priester und hochangesehene Bürger mit Masken durch die Strassen, sangen ihre Lieder und machten sich lustig über Gott und die Welt. Dieses Fest war gerade unter ChristInnen weit verbreitet.

 

Darin wird deutlich, dass die FREUDE eine Grundhaltung des Christenmenschen ist und dass in solcher FREUDE selbst menschliche Massstäbe einmal auf den Kopf gestellt werden können.
Die Ordnung unserer Welt ist eben nicht das Letzte. So bleibt die Frage berechtigt, ob dieses Fest des Karnevals, das weltweit gefeiert wird, nicht auf spielerische Art und Weise die Verheissung Gottes ausdrückt, dass die Letzten die Ersten und die Kleinen gross sein werden?


Das Fest der Narren bedeutet heute noch, über sich selbst und über die anderen einmal lachen zu können, und nicht in Trauer und Sorge zu vergehen. So wie es im 1. Testament bei Jesus Sirach, 30,21-24 heisst:
 

„Überlass dich nicht der Sorge,
schade dir nicht selbst durch dein Grübeln!
Herzensfreude ist Leben für den Menschen.
Frohsinn verlängert ihm die Tage.
Überrede dich selbst und beschwichtige dein Herz,,
halte Verdruss von dir fern!
Denn viele tötet die Sorge,
und Verdruss hat keinen Wert.
Neid und Ärger verkürzen das Leben,
Kummer macht vorzeitig alt“.

…Wo auch immer Sie in diesen Tagen die Lebensfreude entdecken können, es wird mit oder ohne Sie fastnachten, guggen, lärmen, rätschen, pfeifen, trommeln, tanzen in diesen Tagen vor der Fastenzeit…
 

                                       Carmen Cattarina Baumli, Theologin
Pfarrei St. Martin, Thun

 
 

 

 

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