Karfreitag / Ostern

Zum Chorbild von Felix Keller, Meikirch

Chorbild von Felix Keller, Meikirch

"Wir verkünden einen Messias, der als ein Verbrecher an einem Pfahl hingerichtet wurde! Den Juden ist dies ein Hindernis und den Griechen ist es Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden wie Griechen, ist ebendieser Messias Gottes Macht und Gottes Weisheit! Denn Gottes ‚Torheit' ist weiser als die ‚Weisheit' der Menschen"

1 Korinther 1, 23 - 25. Im Weg Jesu bis zum bitteren Ende (und im Weg jedes Menschen, der so lebt wie dieser Jude aus Nazareth) zeigt uns der Ewige, dass er den Menschen auch in seinen schwierigsten Stunden nicht im Stich lässt. Wo eine gewalttätige Obrigkeit den zutiefst humanen Wunsch nach Freiheit, Gleichwertigkeit und Solidarität im Keime erstickt und dessen unerschrockene Verfechter kreuzigt, zeigt sich der Unaussprechliche als jener, "der sich erbarmt, gnädig und langmütig ist, reich an Liebe, reich an Treue, bewahrend Liebe bis ins tausendste Geschlecht"

Exodus 34, 6-7. Diese Treue ist sogar stärker als die grausame Folterung eines Hinrichtungsmords. Sie bewahrt den Namen, die Persönlichkeit des Betroffenen und prägt ihn ein ins Gedächtnis der Menschen - denn "tot ist einer erst, wenn niemand mehr an ihn denkt" (Niklaus Meienberg). Gerade dessen Name ist bei Gott unvergessen, aufgeschrieben ins Buch des Lebens. Das Kreuz ist eingetaucht in das uralte Licht jedes Schöpfungstages, in dem das Erbarmen des Ewigen zu uns kommt, um "wie die aufgehende Sonne am Himmel zu scheinen auf jene in der Finsternis, die leben im Schatten des Todes, und zu leiten unsere Füsse auf den Wegen des Friedens" Lukas 1, 78-79. Im Dunkel des Karfreitags leuchtet schon das Licht von Ostern auf: "Anderer, älterer, jemand in uns verborgen, plötzlich aufflammendes Feuer von Visionen, erneuernd das Antlitz der Erde

Peter Spinatsch

Lied von der Auferstehung

Die Steppe wird blühen. Die Steppe wird lachen und jauchzen.
Die Felsen, die stehen seit Tagen der Schöpfung,
steh'n voll Wasser, doch dicht, sie werden sich öffnen.
Das Wasser wird strömen, das Wasser wird glitzern und strahlen,
Durstige kommen und trinken.
Die Steppe wird trinken, die Steppe wird blühen, die Steppe wird lachen und jauchzen.

Verbannte, sie kommen mit leuchtenden Garben nach Hause.
Die gingen in Trauer bis zum Ende der Erde,
hin auf immer, allein - vereint kehr'n sie wieder.
Wie Bäche voll Wasser, wie Bäche voll sprudelndem Wasser,
brausend herab von den Bergen.
Mit Lachen und Jauchzen - die säten in Tränen,
kehr'n wieder mit Lachen und Jauchzen.

Der Tote wird leben. Der Tote wird hören: Nun lebe.
Zu Ende gegangen, unter Steinen begraben:
Toter, Tote, steht auf, es leuchtet der Morgen.
Da winkt eine Hand uns, uns ruft eine Stimme: Ich öffne
Himmel und Erde und Abgrund. Und wir werden hören,
und wir werden aufsteh'n und lachen und jauchzen und leben.

Huub Oosterhuis

Röm.-Kath. Kirchgemeinde Thun, Kapellenweg 7, 3600 Thun, Tel. 033 225 03 53,  Fax 033 225 03 63