Spannung und Entspannung

Zeichnung eines Schneckenhauses

Die Ferienzeit ist voll von Spannung und Entspannung. Da will sich Körper, Geist und Seele entspannen, sich einmal etwas gönnen und Abwechslung erfahren. Diese Zeit will reserviert sein. Einmal einfach in den Wald gehen, atmen können und den Geräuschen nachlauschen. Sich einen Besuch im Museum gönnen. Kultur bewundern und staunen dürfen, was da den Menschen in den Sinn gekommen ist. Die Ruhe finden am See, auf einem Berg oder bei einer wunderbaren Musik, in einem Konzert oder ...

Ideen und bewusste Entspannungszeit gibt es so viele, dass es den Menschen wieder in Spannung bringen könnte, was alles möglich wäre.

Wir suchen in der Ferienzeit eigentlich die grosse Quelle des Lebens, um die strapazierten Kräfte wieder voll werden zu lassen. Es ist die Sehnsucht nach Lebensfülle und Glücklichsein. In der Ferienzeit darf es für die meisten Menschen aber nicht langweilig werden, denn sonst wäre die Ferienzeit nicht ausgenützt und ein anderes Defizit würde entstehen.

Somit ist die Ferienzeit zugleich eine spannende und oft gut organisierte und budgetierte Zeit. Es ist ein Aufbruch zu dem, was wir auch noch an Träumen und Wünschen in uns haben. Die Erfahrungen aus eigenen Zeiten, oder die Reiseberichte von Mitmenschen, ev. auch aus Büchern, Zeitschriften und Filmen, lassen uns aufbrechen, das vertraute Heim für eine gewisse Zeit zurückzulassen, um dann wieder mit vielen Geschichten und Bildern zurückzukehren.

Aus dem Wunsch nach Entspannung und Spannung in der Ferienzeit kann sich unser Leben grundsätzlich gut entfalten. Wir merken darin die Lebensaufgabe, einerseits zu schützen, zu bewahren, zu bergen sowie andererseits zu lösen, zu verändern, zu befreien.

Genau in diesem Spannungsfeld unserer Ferienträume spiegeln sich auch unsere Erfahrungen des Glaubens an Gott. Gott lässt sich nur dann als der bergende und entspannende Gott erfahren, wenn wir uns in den Aufbruch in die Freiheit und Eigenständigkeit bewegen. Dieser Weg ist ein gefahrvoller und beschwerlicher Weg, wie etwa der Weg in die Ferien. Der Weg in die Weite lässt uns nach dem Zuhause sehnen, um dann, zu Hause angekommen, wieder den Weg in das unbekannte Freisein zu träumen.

Vielleicht besuchen Sie in den Ferien, irgendwo in der Fremde ein Gotteshaus oder einen Gottesdienst. Entspannen sie sich tief im Körper, im Geist und in der Seele. Mag sein, dass Sie in Spannung geraten, um im Weg durch das Fremde das Eigentliche zu spüren und zu erlangen. Hier und jetzt gibt es keine bleibende Statt, keine letzte, alles bergende Heimat, kein bleibendes Glück des Paradies. Was uns hier und jetzt bleibt, ist die Unruhe des Herzens. Ich wünsche Ihnen das Pendel der Spannung und der Entspannung, diesen Weg nach innen und nach aussen. Wir werden selbst im letzten Aufbruch von der grossen Entspannung in die neue vollkommene Lebensspannung verwandelt.

Viele nennen es ein Ruhen, ein Leben in Gott. Wir werden sein und sind es heute schon - hie und da ganz nahe.

Im Namen der beiden Seelsorgeteams St. Martin und St. Marien wünsche ich allen eine erholsame und spannende Sommerzeit.

Urs Zimmermann-Suter, Diakon